Was kommt da noch?: Das iPhone hat seinen Zauber verloren

© OnLeaks

Rund zwei Monate vor der Veröffentlichung der neuen iPhones gibt es keinen großen Rummel wie früher. Im Prinzip weiß man schon alles, Überraschungen erwartet kaum jemand. Das iPhone hat seinen Zauber verloren, aber das macht eigentlich nichts.

Aufgrund der Termine der Vorjahre ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Apple die neuen iPhones am 10. September vorstellt. Aber obwohl die große Show im Steve Jobs Theater schon in knapp acht Wochen über die Bühne gehen wird, bleibt die Gerüchteküche weitgehend kalt. Wer sollte sie auch anheizen? Schließlich ist doch mehr oder weniger schon alles über das „iPhone 11“ bekannt.

Und das, was man weiß, macht keinen wirklich heiß: Stärkeres Innenleben, Dreifach-Kamera im quadratischen Buckel, größere Ausdauer und vielleicht eine etwas kleinere Notch. Auch beim „günstigen“ iPhone tut sich voraussichtlich wenig, die größte Veränderung dürfte eine Dual-Kamera sein. Bis auf den sicher wieder weit überlegenen neuen A-Chip legt Apple also wahrscheinlich nicht vor, sondern holt nur gegenüber der Konkurrenz von Samsung und Huawei auf.

2020er-Modelle interessanter

Weil niemand mehr besonders viel von den 2019er-iPhones erwartet, wird jetzt bereits über die 2020er-Modelle oder sogar über die Geräte, die Apple in zwei Jahren vorstellen könnte, spekuliert. Der Hersteller werde die True-Depth-Kamera und damit auch die ungeliebte Display-Notch weiter verkleinern, erwartet Top-Analyst Ming-Chi Kuo laut „Appleinsider“. Außerdem soll die Hauptkamera verbessert werden.

Kuo prophezeit einem Artikel der „China Times“ zufolge, dass erst 2021 alle drei iPhones keine Notch mehr haben werden. Stattdessen soll die True-Depth-Kamera dann durch den Bildschirm blicken können. Zusätzlich sollen die Geräte über die gesamte Display-Fläche hinweg Fingerabdrücke erkennen können.

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@OnLeaks hat mit der indischen Website „Cashkaro“ am Computer das iPhone 11 nach angeblich echten Plänen nachgebaut.(Foto: Cashkaro)

Anfang Juli gab es Gerüchte, Apple plane speziell für den chinesischen Markt ein wirklich günstiges iPhone-Modell, das statt einer Gesichtserkennung (Face ID) einen Fingerabdrucksensor unterm Display (Touch ID) haben soll. Dieser soll aber wie bei aktuellen Smartphones auf einen kleinen Bereich des Bildschirms beschränkt sein.

Dreimal OLED und 5G

Ein Analyst von J.P. Morgan Chase erwartet laut CNBC, dass Apple für eine größere Auswahl im kommenden Jahr drei statt zwei Geräte mit unterschiedlich großen OLED-Displays auf den Markt bringen wird: 5,4, 6,1 und 6,7 Zoll. Mindestens zwei iPhones sollen einen Time-of-Flight-Sensor (ToF-Sensor) für die bessere 3D-Erkennung bei AR- und VR-Anwendungen bekommen. Zusätzlich soll es erneut ein günstigeres R-Modell geben, also insgesamt vier neue iPhones 2020.

Auch das ist nicht besonders aufregend. Denn einerseits gibt es schon jetzt Android-Smartphones wie das Huawei P30 Pro mit ToF-Sensor. Und was die vier iPhones betrifft: Wahrscheinlich liegt Apple-Kenner Ming-Chi Kuo mit seiner Prognose richtig: Er sagt zwar laut „MacRumors“ die gleichen drei Display-Größen voraus. Allerdings ist für ihn die 6,1-Zoll-Variante das R-Modell, das übernächstes Jahr statt eines LCD einen OLED-Bildschirm haben soll. Wo sich alle Analysten einig sind: Alle iPhones haben 2020 5G-Modems. Das ist aber eigentlich nur erwähnenswert, weil Apple durch seinen Zoff mit Qualcomm beim neuen Mobilfunk-Standard ins Hintertreffen geraten war, bevor es Frieden mit dem Chip-Hersteller schloss. Ansonsten ist 5G in der Oberklasse 2020 eine Selbstverständlichkeit.

Die Dienste reißen es raus
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Apple hat beim WWDC seinen Streamingdienst Apple TV Plus mit Oprah Winfrey und vielen anderen Stars angekündigt.(Foto: AP)

Selbst wenn Apple alle hier genannten Voraussagen umsetzt, wird deutlich, dass es beim iPhone nur noch in kleinen Schritten vorangeht. Das macht Apple aber wahrscheinlich nicht aus Unvermögen, sondern weil die Smartphone-Entwicklung allgemein an ihre Grenzen stößt. Was soll nach einem komplett randlosen Display schon noch kommen? Bei den Mehrfach-Kameras geht noch was, aber auch hier wird die Luft nach oben knapp.

Die Konzernführung um Tim Cook weiß, dass sich Apple künftig nicht mehr alleine auf das iPhone als Cashcow verlassen kann und baut das Unternehmen entsprechend um. Dabei setzt es vor allem auf die Dienste. Das sind unter anderem Apple Store, Apple Care, Apple Cloud, Apple Music, Apple TV Plus, Apple News Plus oder ein kommendes Spiele-Abo.

Der Umbau erscheint plausibel. Während die iPhones im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018 noch für 70 Prozent von Apples Einnahmen verantwortlich waren, belief sich der Anteil im ersten Quartal dieses Geschäftsjahres nur noch auf 62 Prozent. Gleichzeitig legten die Dienste um 19 Prozent zu und machten 13 Prozent der Einnahmen aus. Die ersten Quartale eines Apple-Geschäftsjahres enden jeweils im Dezember des Vorjahres, beinhalten also das enorm wichtige Weihnachtsgeschäft.

Auch im zweiten Quartal setzte sich der Trend fort. Die iPhone-Verkäufe gaben erneut um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum nach, während die Dienste um weitere 16 Prozent zulegten und jetzt einen Anteil von 20 Prozent am Apple-Umsatz haben.

Nutzer warten auf 5G-Modelle
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Wenn sich Apple nicht mit Qualcomm geeinigt hätte, müssten seine Kunden wohl noch länger auf 5G-iPhones warten.(Foto: Apple/kwe)

Die meisten Analysten sehen Apple auf dem richtigen Weg. Nach einem Tief direkt nach den schwachen Zahlen des ersten Quartals Anfang Januar legte die Aktie des Unternehmens fast stetig zu und steht aktuell mit rund 180 Euro höher als vor einem Jahr (162 Euro). Lediglich nach der etwas lahmen Entwicklerkonferenz WWDC gab das Papier vorübergehend nach, erholte sich dann aber zügig wieder.

Es gibt auch Analysten, die Investoren aktuell raten, Apple-Aktien zu verkaufen. Dabei geht es aber weniger um die langfristige Strategie. Laut „Barron’s“ sieht beispielsweise Rosenblatt Securities eine negative Entwicklung der iPhone-Verkäufe, da viele Nutzer auf die 5G-Modelle im kommenden Jahr warten und die 2019er-Modelle überspringen sollen. Problematisch könnten für Apple außerdem sinkende Verkäufe in China wegen des Handelskonflikts mit den USA werden.

Nutzer können entspannt sparen

Am 30. Juli legt Apple wieder Zahlen vor. „Reuters“ zufolge erwartet das Investment-Unternehmen Evercore ISI, dass die Dienste, getrieben von starken App-Store-Erlösen erneut kräftig zulegen werden – auch in China. Insgesamt wieder steigende iPhone-Verkäufe prognostiziert aber auch dieser Analyst nicht.

Der Trend wird sich vermutlich fortsetzen, was aber für iPhone-Nutzer nicht wirklich schlecht ist. Zwar dürfen sie in den kommenden Jahren keine spektakulären Entwicklungen mehr erwarten. Aber sie haben ausgereifte Geräte, die fünf oder sogar mehr Jahre iOS-Updates erhalten können. Sie müssen sich nicht alle zwei Jahre ein neues iPhone kaufen und können das Geld für andere, vielleicht wichtigere Dinge sparen. Das kostet Apple etwas Geld, aber nicht die Zukunft – so lange seine Kunden seine Dienste in Anspruch nehmen.

Quelle: n-tv.de

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